jungs

Irgendwie bin ich mittlerweile „Alt“ geworden. Und hier mein ich nicht die verminderte Haarpracht oder irgendwelche anderen äußeren Erscheinungen, sondern die Tatsache, dass ich in Meetings mit Kunden oder Kollegen teilweise doppelt so alt bin wie mein Gegenüber (nur kurz – ich bin 42). Das alleine wäre keine Erwähnung Wert. Ich zähle mich noch nicht als „Opfer“ des demographischen Wandels und hier soll es auch nicht um die Zusammenarbeit zwischen jung und alt gehen – darüber kann man genug hier und hier und hier und auch hier nachlesen – wobei ich diese Storys von „Alt lernt von Jung wie man das Smartphone bedient“ und „Jung lernt aus dem unermesslichen Erfahrungsschatz der älteren“ eher verstörend finde. Nein, es geht um was anderes.

Hier geht es eher um Setups von Teams und Unternehmen die auf diese Altersstrukturen besonders achten um sich das Prädikat „Jung“ – oder erweitert  „Jung & dynamisch.“ – geben zu können. Auf den Webseiten kann man dann „stolz“ lesen, das der Altersdurchschnitt 29 Jahre ist und der älteste im Team 31.

Ich hatte letztens eine Schulung bei einem solchen Unternehmen.
Auf den ersten Folien war zu lesen, dass der Gründer die Firma mit 16 angemeldet hat und das Geld von Papa hatte, in der Runde haben sich alle sofort geduzt und es gab eine lockere Atmosphäre – was primär am Schulungsleiter lag, der ohne Frage ein Sympath war. Die Frage für mich war: warum auf „Jung“ und „Alt“ rumreiten ohne drüber nachzudenken was man sagen will? Neben mir saßen einige eher Ü50/Ü60 Geschäftsführer im Anzug, die hier sicher noch sensibler waren als ich in diesem Moment.

Was mich am meisten an der „Alt / Jung“ Darstellung genervt hat war, das ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe, eher so als wollen man „jung“ mit „cool“ gleichsetzen und so tun als sei man besonders „cool“ was mich zu dem Schluss feführt hat, die Schulungsleiter wären besonders unerfahren.

Das macht es schwierig dieses Setup der Teams und des gesamten Unternehmens genauer zu betrachten und zu bewerten. Jede Aussage wird mit einem Witz versehen, so das es für mich nicht mehr wirklich möglich ist zu unterscheiden wo fachlich fundiertes Wissen vermittelt wird und wo Nichtwissen durch „jugendliche Kreativität“ überspielt wurde.

Genauso wie ich „Das war schon immer so“ oder „Das macht man so“ verabscheue, genauso geht mir gerade ein „Das muss um jeden Preis neu“ auf die Nerven. Beides ist ein Blick mit Scheuklappen.

Können wir bitte in Zukunft der besten Idee, der meisten Erfahrung, dem agilstem und gleichzeitig dem struktuiertestem Verfahren glauben und folgen? Nicht alles was „Konservativ“ ist ist verstaubt, nicht alles was agil ist ist Sinnmaximierend. Die Mischung macht es. Die zusammenarbeit, das Team.

Dankeschön.

Ah, vielleicht noch ein schöner Beitrag zum „Der Büroaltag ändert sich“:

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