samurai

Vor einigen Jahren bin ich mit der „Kohai / Senpai Beziehung“ in Berührung gekommen. Zusammengefasst bezeichnet man jemanden als „Senpai“ der länger in einer Organisation z.B. einem Unternehmen ist als man selbst – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Das Prinzip ist im japanischen Geschäftsleben verankert, stammt aber aus der Kampfkunst. Dabei ist der Senpai das Vorbild, die Leitfigur und bekommt als dieser Respekt. Der Senpai bietet  Schutz, Hilfe und eine gewisse Verantwortung für seine Kohais. Die Kohais sind dafür bereit den Senpai zu entlasten, z.B. in dem sie einfachere Aufgaben übernehmen und auch Weisungen des Senpais entgegennehmen.

Ich finde dieses Bild angenehm. Es gibt eine Führung die darauf basiert, dass jemand ein Vorbild ist und dafür bekommt er Respekt. Vorbilder können durch :

  • Leistung ,
  • durch Wissen
  • oder durch Empathien

glänzen. Jemand der besonders sorgfältig und gewissenhaft arbeitet ist vielleicht mein Vorbild – oder jemand der  sich mit einem Fachgebiet oder in dem Unternehemen besonders gut auskennt – oder eben jemand der einfach ein „Sympath“ ist, jemand den man einfach mag.

Will man jetzt ein Teambuilding betreiben hilft es die Senpais unter den Mitarbeitern zu finden. Das sind nicht immer die lautesten, häufig aber die die durch Leistungen auffallen. Diesen Senpais weisst man Kohais zu. Auf dem Papier – das ganze ist etwas für dich als jemand der das Team aufbaut, nicht als Hierachiestufe oder als Weisungsfolge.

Ein Team mit 12 Mitgliedern habe ich damit folgendermaßen geplant:

Teamsetup nach Senpai Kohai

Die roten „Männeckins“ sind hier die Senpais, die blauen die Kohais. Die grauen und orangen sind unbesetzte Stellen. Wie baut man aber dieses Setup in der Praxis auf? Ich habe hier folgende Maßnahmen ergriffen:

  • Die „zusammengehörigen“ Senpais + Kohains waren immer möglichst zusammen – auf BarCamps, in Projekten und auch in der Sitzordnung.
  • In Besprechungen, z.B. mit dem Kunden, habe ich möglichst immer den Senpai mit einem Kohai  eingeplant.
  • Aufgaben habe ich meist mit einem Senpai und seinem Kohai gemeinsam besprochen, auch wenn Fachlich ggf. ein zweiter Senpai besser gewesen wäre.

Die Senpai hatten unterschiedliche „kleine“ Privilegien – z.B. ein „Vorrecht“ auf Schulungen, Kongresse und Events oder aber auch bei neuer Hardware. Nach meiner Erfahrung verzichten die Senpais hier aber häufig zugunsten ihrer Kohais, was viele Diskussionen vereinfacht hat.

Für mich hat eine diese Aufteilung mehrere Themen auf einmal erledigt:

  • Dadurch das immer ein Leistungsträger in einer Gruppe war,  ist allen im Team klar wonach sie streben. Teamlead, Architektenrolle etc. war immer leicht in den kleineren Gruppen zu erkennen.
  • Das 12 Personen große Team konnte sich besser austauschen und hatte klarere Gruppenregeln.
  • Die Qualität der Arbeit ist deutlich gestiegen. Die Senpais haben hierbei die Rolle einer Qualitätssicherungsinstanz eingenommen, an der sich die Kohais orientieren konnten. Hier gab es selten ein „meckern“, die Meinung der Senpais wurde hier Fachlich anerkannt.
  • Die Kohais selber wurden sehr schnell eingearbeitet und waren für Neueinstellungen schnell selber Senpais.

Ich habe das nie offen / offiziell mit dem Team kommuniziert. Hier und da habe ich einzelnen Leuten mal das Vorgehen erklärt, aber durch das Handeln in diesem Sinne fand das Team diese Aufteilung ganz „natürlich“. Beim neue Plätze verteilen gab es selten Diskussionen im sinne von „Warum soll ich hier sitzen“ oder „Das ist sinnlos“ – jeder hat schnell wahrgenommen, welche Rolle wo am besten hin passt.

Ich vermute (habe es aber noch nie selbst probiert), dass ein offizielles Kommunizieren eher schädlich für den Teamaufbau wäre, da der Senpai nur als weitere Hierachiestufe wahrgenommen werden würde.

 

Bildquelle:

  •  http://de.wikipedia.org/wiki/Samurai